Sperren sind unnötig

So langsam lichtet sich hoffentlich der Nebel. Damit stellt sich aber auch die Frage ein: Warum wird einfach nur der Zugriff erschwert; können die beanstandeten Inhalte nicht tatsächlich aus dem WWW entfernt werden? Damit wären sie tatsächlich weg, in der ganzen Welt nicht mehr abrufbar, völlig egal wie technisch versiert der Nutzer tatsächlich ist. Auf diese Frage gibt es von Seiten der Politik bisher leider keine Antwort.

Diese Möglichkeit ist keine theoretische Spielerei, die in der Praxis nicht funktioniert. Denn sie werden kaum eine Möglichkeit auf dieser Welt finden, Kinderpornographie mit Billigung des Hosters im Internet anzubieten. Mit anderen Worten: Bekommt der Hoster einen Hinweis auf die illegalen Inhalte, nimmt er diese in kürzester Zeit vom Netz. CareChild, ein Kinderschutzverein, der sich im Übrigen ebenfalls gegen die geplanten Sperren ausspricht[1], hat dies anhand einer im Internet bekannt gewordenen Sperrliste des Staates Dänemark[2] anhand von 20 Domains ausprobiert.[3] Sie haben den Providern, die die entsprechenden Inhalte auf ihren Servern angeboten haben, eine e-Mail geschrieben.

Ergebnis[4]:

8 Domains bei amerikanischen Providern wurden innerhalb der ersten 3 Stunden nach Versand der Mitteilung an den Abuse-Kontakt abgeschaltet.

Bei weiteren 8 Domains informierten die amerikanischen Provider ihren Kunden über die Beschwerde und forderten diesen auf, sein Angebot zu überarbeiten, so dass es den gesetzlichen Bestimmungen der USA und den Nutzungsbedingungen der jeweiligen Provider entspricht. Ein juristischer Trick um zunächst die Inhaltsverantwortung „weiterzuschieben“. Eine Rückmeldung erfolgte hier innerhalb von 12 Stunden.

Kein amerikanischer Provider brauchte länger für die Anfangsbearbeitung. Unerwartet professionell zeigte sich der südkoreanische Hostingprovider, der seinen amerikanischen Kollegen in nichts nachstand. Ticketsystem, Ticket-Eskalation und klare Antworten in kurzer Zeit (< 6 Stunden) überraschten.

Die Inhalte in den Niederlande und England waren jeweils unmittelbar nach der Mitteilung nicht mehr erreichbar, wobei der niederländische Provider keine Rückmeldung sendete.

Letztendlich wurden alle bis auf 4 Domains abgeschaltet. Bei 3 davon teilte der jeweilige Provider glaubhaft mit, dass die Inhalte nach augenscheinlicher Prüfung keine Gesetze verletzen oder der Betreiber für die abgebildeten Personen entsprechende Altersnachweise vorlegen konnte. Eine Nachprüfung fand (regelgemäss) nicht statt.

Insgesamt wurde seitens der Provider kein nennenswerter Widerstand geleistet, wobei das grösste Problem bei einem portugiesischen Provider vorkam. Dieser reagierte erst gar nicht, nach einem Fax an den Vorstand dann allerdings im Eiltempo. Bei einem derart grossen Unternehmen, sollte man einen funktionierenden Abuse-Desk voraussetzen.

An dieser Stelle muss man sich klar machen, dass dies das Ergebnis eines Versuches einer Organisation ohne jegliche polizeiliche und staatliche Hoheitsrechte handelt. Kurz gesagt: Das gleiche wäre passiert, wenn einfach Sie diese e-Mails geschrieben hätten.

Dem lässt sich auch nicht entgegenhalten, dass im Versuch von ChildCare überwiegend in westlichen Staaten gehostete Angebote versucht wurden vom Netz nehmen zu lassen. Es wird Sie jetzt mit Sicherheit verwundern – Kinderpornographie wird im Wesentlichen in Europa, Australien, Südkorea und den USA gehostet, denn nur hier gibt es qualitativ hochwertige Server und Anbindung ans Internet für relativ wenig Geld.

Eine Übersicht darüber, wo die Kinderpornographie auf den zugänglichen Sperrlisten gehostet wird, zeigt dies deutlich.[5]