Sperren sind ineffektiv

Es wird Ihnen als aufmerksamer Leser an dieser Stelle auf der Zunge liegen: Wenn die DNS-Sperren nichts anderes ist, als die Löschung einer Telefonnummer aus dem Telefonbuch, dann besteht doch das einzige Hindernis darin, dass ich die Telefonnummer manuell wählen muss?

Damit haben Sie das Kernproblem erfasst, denn genau so sieht es aus. Beispiel gefällig? Der Domain heise.de ist die IP-Adresse 193.99.144.80 zugewiesen. Anstatt nun die hypothetisch gesperrte Domain heise.de in ihren Browser einzugeben, tippen sie einfach die IP http://193.99.144.80 ein, und schon haben Sie den Filter umgangen. Sie sehen, dass bereits mittels direkter Verlinkung auf die hypothetisch gesperrten Webseite eine DNS-Sperren umgangen werden kann – möglicherweise sogar ohne, dass es Ihnen als Nutzer der auf einen Link klickt, auffällt. Damit wird auch klar, dass DNS-Sperren nicht einmal geeignet sind, die oftmals angeführten Zufallsbekanntschaften mit Kinderpornographie zu verhindern.

Aussagen, wie die von Jürgen Maurer[1] erscheien mit diesem Wissen in einem neuen Licht:

Jürgen Maurer, Direktor beim Bundeskriminalamt, hat sich bei der öffentlichen Expertenbefragung des Unterausschusses Neue Medien des Deutschen Bundestages für jede Form von Internetsperren gegen Kinderpornografie eingesetzt. „Mit Kinderpornografie werden Millionen verdient. Es muss darum gehen, diesen Markt auszutrocknen. Das internationale Überangebot an Kinderpornografie muss eingeschränkt, die ökonomische Verwertung gestört werden. Mit verschiedenen Internetsperren, die eine unterschiedliche Treffergenauigkeit aufweisen, können wir Zufallsbekanntschaften mit diesen Darstellungen verhindern, die diesen Markt wachsen lassen“

Das direkte Aufrufen der IP-Adresse birgt jedoch das Problem, dass man zunächst die einer Domain zugehörigen IP-Adresse wissen muss. Auch funktioniert dieser Weg aus technischen Gründen nicht in allen Fällen unproblematisch. Darüber hinaus ist er etwas unkonfortabel.

Doch es geht noch einfacher: Sie können ihrem Computer, statt der von Ihrem Provider zugewiesenen DNS-Server, auch einfach einen anderen DNS-Server nutzen lassen. Diese gibt es unzensiert in aller Welt, beispielsweise von der German Privacy Foundation[2].

Alternativ – wenn Sie technisch etwas versierter sind – können Sie auch einen eigenen DNS-Server auf Ihrem Computer oder Router installieren.

Gegen diese Kritik lässt sich natürlich einwenden, es sei bereits ein Gewinn, wenn der Zugang erschwert werde. Um Ihnen zu demonstrieren wie einfach zumindest die Nutzung alternativer DNS-Server ist und wie wenig erschwerend eine solche DNS-Sperren daher wirkt, habe ich hier eine kurze Anleitung veröffentlicht, wie Sie innerhalb von 1-2 Minuten die DNS-Server ihres Computers ändern. Damit haben Sie auf einen Schlag sämtliche DNS-Sperren umschifft.

Zu guter letzt bietet es sich hier an, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen. So wurde Arcor Ende 2007 dazu verdonnert, seinen Kunden den Zugang zur Pornoseite Youporn[3] zu untersagen, weil diese keinerlei Altersverifikation durchführte[4]. Die Sperre wurde relativ schnell wieder aufgehoben. Wer aber noch heute, über ein Jahr später, nach den Begriffen Youporn + Arcor googelt, findet über 25.100 Ergebnisse mit vielen Anleitungen zum umgehen der Sperre[5].