Quellennachweise
[1] IT-Magazin golem.de, http://www.golem.de/0902/65234.html
[2] German Privacy Foundation, http://server.privacyfoundation.de/
[3] Die Quelle enthält möglicherweise teilweise Links auf bzw. URLs von möglicherweise pornographischen Inhalten ohne Altersverifikation. Auf eine Angabe der Quelle wurde daher verzichtet. Bitte bemühen Sie Google.
[4] IT-Magazin Chip, http://www.chip.de/news/Urteil-Arcor-muss-YouPorn-sperren_29197634.html
[5] Google Suchergebnis, http://www.google.de/search?q=youporn+sperre
[6] Focus Artikel vom 28.03.2009, http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-schwedens-polizei-aeussert-zweifel-an-wirksamkeit-von-internet-sperren-gegen-kinderpo_aid_384873.html
Sperren sind ineffektiv
Es wird Ihnen als aufmerksamer Leser an dieser Stelle auf der Zunge liegen: Wenn die DNS-Sperren nichts anderes ist, als die Löschung einer Telefonnummer aus dem Telefonbuch, dann besteht doch das einzige Hindernis darin, dass ich die Telefonnummer manuell wählen muss?
Damit haben Sie das Kernproblem erfasst, denn genau so sieht es aus. Beispiel gefällig? Der Domain heise.de ist die IP-Adresse 193.99.144.80 zugewiesen. Anstatt nun die hypothetisch gesperrte Domain heise.de in ihren Browser einzugeben, tippen sie einfach die IP http://193.99.144.80 ein, und schon haben Sie den Filter umgangen. Sie sehen, dass bereits mittels direkter Verlinkung auf die IP-Adresse der hypothetisch gesperrten Webseite eine DNS-Sperre umgangen werden kann - möglicherweise sogar ohne, dass es Ihnen als Nutzer der auf einen Link klickt, auffällt. Damit wird auch klar, dass DNS-Sperren nicht einmal geeignet sind, die oftmals angeführten Zufallsbekanntschaften mit Kinderpornographie zu verhindern.
Aussagen, wie die von Jürgen Maurer[1], Direktor beim Bundeskriminalamt, erscheinen mit diesem Wissen in einem neuen Licht:
Jürgen Maurer, Direktor beim Bundeskriminalamt, hat sich bei der öffentlichen Expertenbefragung des Unterausschusses Neue Medien des Deutschen Bundestages für jede Form von Internetsperren gegen Kinderpornografie eingesetzt. "Mit Kinderpornografie werden Millionen verdient. Es muss darum gehen, diesen Markt auszutrocknen. Das internationale Überangebot an Kinderpornografie muss eingeschränkt, die ökonomische Verwertung gestört werden. Mit verschiedenen Internetsperren, die eine unterschiedliche Treffergenauigkeit aufweisen, können wir Zufallsbekanntschaften mit diesen Darstellungen verhindern, die diesen Markt wachsen lassen"
Das direkte Aufrufen der IP-Adresse birgt jedoch das Problem, dass man zunächst die einer Domain zugehörigen IP-Adresse wissen muss. Auch funktioniert dieser Weg aus technischen Gründen nicht in allen Fällen unproblematisch. Darüber hinaus ist er etwas unkonfortabel.
Doch es geht noch einfacher: An den DNS-Server, der Ihnen von Ihrem Provider zugewiesen wird, sind Sie in keinster Weise gebunden. Die automatische Zuweisung wird allein zu Ihrer Bequemlichkeit durchgeführt. Sie können ihrem Computer daher, statt den von Ihrem Provider zugewiesenen DNS-Server, auch einfach einen anderen DNS-Server nutzen lassen. Diese gibt es unzensiert in aller Welt, beispielsweise von der German Privacy Foundation[2].
Alternativ - wenn Sie technisch etwas versierter sind - können Sie auch einen eigenen DNS-Server auf Ihrem Computer oder Router installieren. In beiden Fällen können Sie Ihren Computer und Browser nutzen wie bisher, ohne sich irgendwelche Gedanken über IP-Adressen machen zu müssen. Sie werden von den Sperren nichts mehr bemerken
Gegen diese Kritik lässt sich natürlich einwenden, es sei bereits ein Gewinn, wenn der Zugang erschwert werde. Um Ihnen zu demonstrieren wie einfach zumindest die Nutzung alternativer DNS-Server ist und wie wenig erschwerend eine solche DNS-Sperre daher wirkt, habe ich hier eine kurze Anleitung veröffentlicht, wie Sie innerhalb von 1-2 Minuten die DNS-Server ihres Computers ändern. Damit haben Sie auf einen Schlag sämtliche DNS-Sperren umschifft.
Sogar die schwedische Polizei, deren Land bereits über ein solches Filtersystem verfügt - hält offenkundig wenig von ihrem eigene System[6]:
„Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, bilanzierte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström, im Nachrichtenmagazin FOCUS. Die Zahl der gesperrten Seiten habe sich seit der Einführung des Systems im Jahr 2005 auf 5000 erhöht. Zudem könnten Nutzer die Stopp-Seiten problemlos umgehen.
Zu guter letzt bietet es sich hier an, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen. So wurde Arcor Ende 2007 dazu verdonnert, seinen Kunden den Zugang zur Pornoseite Youporn[3] zu untersagen, weil diese keinerlei Altersverifikation durchführte[4]. Die Sperre wurde zwar relativ schnell wieder aufgehoben. Wer aber noch heute, über ein Jahr später, nach den Begriffen Youporn + Arcor googelt, findet über 25.100 Ergebnisse mit vielen Anleitungen zum umgehen der Sperre[5].